Predigt in der Christmette 2024 (Matthäuskirche)

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Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

es ist eine ganz besondere Nacht. Es ist die heilige.

Alle tun heute etwas anderes, als wir sonst an einem Dienstag tun würden. Die Kinder, die sonst nach einem langen Schultag und vielen Hausaufgaben längst im Bett wären, probieren gerade ihre neuen Spielsachen aus. Und die Erwachsenen, die sonst noch ihre letzten Dinge vom Tag aufräumen und sich dann einen Wecker für die Arbeit morgen früh stellen würden, sitzen noch vergnügt mit ihren Liebsten in der guten Stube – oder haben sich auf den Weg in die Kirche gemacht.

Heute ist Weihnachten. Und an Weihnachten ist die Welt eine andere. Obwohl es an Weihnachten ja auch immer wieder gleich ist. In jedem Jahr: die gleichen Worte der Weihnachtsgeschichte, die gleichen Weihnachtslieder. In jedem Jahr: Der Stall, das Kind, Maria und Josef. In jedem Jahr: Der Weihnachtsbaum, die Kerzen und der Stern, der den Menschen den Weg weist. In jedem Jahr dasselbe – und es wird uns nicht langweilig! Im Gegenteil, wir alle geben uns in jedem Jahr wieder die äußerste Mühe, dass es ein wunderschönes und unvergessliches Fest wird.

Denn es ist die heilige Nacht – voller Ruhe. So schön, dass wir jetzt endlich Zeit haben, miteinander zu singen und Gottesdienst zu feiern!

Denn es ist die heilige Nacht – voller Frieden. So schön, dass wir hier zusammengekommen sind und spüren, dass wir nicht alleine sind.

Denn es ist die heilige Nacht – die stillste Nacht im ganzen Jahr – findet jedenfalls der Dichter Rainer Maria Rilke. Er dichtete:

Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr,
da hörst Du alle Herzen gehn und schlagen
wie Uhren, welche Abendstunden sagen:
Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr.

Ob Sie dem Gedanken von Rilke zustimmen: Weihnachten – ein stiller Tag? Der stillste sogar?

Oder denken Sie eher: Weihnachten ist ein Tag des Machens und Tuns. Des Redens miteinander im Wohnzimmer, unter dem Weihnachtsbaum, am Esstisch, in der Küche, beim Spazierengehen.

Weihnachten ist ein Tag des Wiedersehens und des Erzählens von allem, was in den letzten Tagen, Wochen, Monaten passiert ist.

Weihnachten ist ein Tag der Familiengeschichten, der Lebensgeschichten, des Miteinanderseins.

Aber neben all diesen Tatsachen hat Weihnachten auch ganz sanfte Farben. Die schönen Advents- und Weihnachtsgeschichten erzählen uns in jedem Jahr von dem, was wir uns wünschen. Erzählen von der Sehnsucht nach Frieden. Erzählen von einem Tag ohne Streit. Von dem Wunsch nach Geborgenheit, nach Wärme, nach Glück.

Einmal im Jahr möchten wir es spüren: Dass die Welt heil und gut ist. Dass das Leben glückt. Dass Eltern auf ihre Kinder achten. Dass Kinder aufhören zu streiten. Dass Männer ihren Frauen helfen und Frauen ihren Männern. Einmal im Jahr wollen wir uns einig sein – in den Familien, in den Städten, in der Welt. Einmal im Jahr soll das Licht der heiligen Nacht auch uns erleuchten. Soll uns hell und klar machen, damit wir merken:

Es gibt noch mehr als unseren Alltag, als Arbeit und Schule. Es gibt noch mehr, als wir uns erarbeiten können. Es gibt ein Leben, das uns geschenkt wird.

Das Zeichen Gottes für diese unsere Träume und Wünsche ist das neugeborene Kind in der Krippe. Ein kleines Baby – es kann noch gar nichts alleine! Das entspricht so gar nicht unseren Ansprüchen von Leistung und Lohn.

Ein kleines Kind, geboren vor 2024 Jahren. Seit der Geburt zählen wir unsere Jahre in seinem Namen. Anno Domini – im Jahr des Herrn, nach Christi Geburt. 2024. Ein weltbewegendes, weltveränderndes Ereignis war sie, diese Geburt im Stall.

Die Menschen in Australien waren heute die ersten, die den Geburtstag von Jesus feierten. 6 Stunden später feierten ihn die Christen in Indien. Jetzt sind wir in Deutschland und Europa dran. Und in San Francisco feiert man noch Stunden nach uns die Heilige Nacht. Ein weltbewegendes, weltveränderndes Ereignis, die Geburt des Kindes im Stall.

In jedem Land der Welt erklingen in jedem Jahr wieder die Weihnachtsgeschichte und die schönen Weihnachtslieder. Immer die gleichen, in jedem Jahr wieder. Und in jedem Jahr verstummt am 24. Dezember auf der ganzen Welt irgendwann das laute Geschrei, die vielen Stimmen, das Durcheinander legt sich – und dann steigen sie in Christen aus allen Nationen auf: Diese wohligen, ruhigen, stillen Momente, in denen einem warm ums Herz wird und man denkt: Jetzt ist Weihnachten. Jetzt ist die stille, heilige Nacht. Gott sei Dank – Gloria in Excelsis Deo!

Amen.