Predigt an Trinitatis 2025

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Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

gestern war ich auf dem Milseburgradweg unterwegs. Dort, auf der Höhe von Elters, soll ja eine kleine Kirche für die Radfahrer gebaut werden. Und deshalb finden dort im Sommer regelmäßig Gottesdienste statt. Das Fahrrad habe ich dann aber stehen gelassen und bin in Stückchen spazieren gegangen. Und das ist ja weiß Gott keine Strafe durch unsere schöne Rhön zu laufen. Diese Landschaft ist bezaubernd und tut mir gut.

Nur leider klappte das gestern mit der Orientierung nicht ganz so gut und ich habe mich ruckzuck verlaufen. Einmal falsch abgebogen und plötzlich war der Radweg weg und ich stand irgendwo im Wald. Auf gut Glück bin ich nochmal abgebogen und einfach weitergelaufen – bei dem schönen Wetter war es ja total egal, wann ich ankommen würde. Ich genoss die schöne Aussicht und spazierte so vor mich hin und plötzlich kam ich bei einer großen Lichtung heraus. Es war eine große runde Wiese, umgeben von grünen Bäumen. Die warmen Sonnenstrahlen lugten zwischen den Ästen hervor und es ging ein angenehmer warmer Wind. Und dann sah ich es: ein paar Meter weiter glitzerte es im Gras. Natürlich ging ich gleich gucken und fand: diese Truhe. (Schatztruhe hochhalten) Eine Truhe voller Gold. Ein echter Schatz - und ich habe ihn gefunden. Mitten im Wald.

 

Seitdem überlege ich, was ich nur mit dem ganzen Gold machen soll. Ein neues Auto hab ich mir erst letztes Jahr gekauft, meine Wohnung ist auch fertig eingerichtet. Ich bin ratlos, was ich mit meinem Schatz machen soll. Ich habe momentan alles, was ich zum Leben brauche.

 

Nun ja, wie machen es Pfarrer - sie schauen mal in der Bibel unter dem Stichwort „Schatz“. Vielleicht gibts da ja einen guten Tipp? Im Alten Testament bekomme ich als Suchergebnis die „Schatzkammern des Königs“. Hmm. Meine Schatzkiste ist toll – aber sie ist nicht so groß, als dass sie ein ganzes Zimmer bräuchte.

 

Im Neuen Testament finde ich aber ein Jesuswort über den Schatz. Jesus sagte: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Das verstehe ich gut. Seit ich meinen Schatz gefunden habe, kann ich an nichts anderes mehr denken. Ich kann nicht schlafen, ich kann nichts essen, ich bin voller Sorgen, was ich mit meinem ganzen Gold tun soll. Ich halte sogar meine Predigt darüber! Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

 

Da fällt mir noch eine andere Bibelstelle ins Auge. Jesus sagte: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.“ Zu den Reichen gehöre ich jetzt. Mein riesengroßer Goldschatz hat mich reich gemacht. Und jetzt komme ich nicht mehr ins Reich Gottes? Weil ich diesen Schatz habe? Was soll ich denn jetzt tun? Diese Stelle lese ich nochmal und stelle fest, dass Jesus den Satz mit dem Kamel und dem Nadelöhr sagt, als ihn ein reicher Mann fragt, wie man in den Himmel kommt. Und Jesus antwortet dem reichen Mann mit folgenden Worten: „Willst du vollkommen sein, so verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben.“ Eigentlich hätte mir das klar sein können - Jesus hat immer für eine gerechte Verteilung plädiert. Auch ich kann von meinem riesigen Schatz ganz leicht etwas abgeben. Denn ich brauche ja nichts - und jemand anders freut sich.

 

Ach, wie gut, dass ich die Bibel habe. Was würde ich ohne sie tun? Sie weiß immer einen Rat, sie ist voller Schätze. Ohne die Bibel wäre mein Leben viel schwerer. - Ohne diese Schatzkiste wäre mein Leben viel einfacher! Das ganze Gold macht mir nur Stress und Ärger. Vielleicht meinte Jesus das, als er sagte: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Ich verschwende zu viele Gedanken darauf und dabei ist es einfach nur Gold. Es sieht nur schön aus. Aber es macht mich nicht glücklich. Es nimmt mich gefangen in meinem eigenen Reichtum, in meinen eigenen Gedanken und Sorgen. Aber ich spüre, dass es im Leben um viel mehr geht. Nicht um materielle Dinge, sondern um das, was darüber hinaus geht. Wenn ich anderen eine Freude mache. Wenn ich andere zum Lachen bringe. Wenn ich anderen etwas schenke, was Kleines oder was Großes, ganz egal. Wenn ich mit anderen zusammen bin, anstatt alleine meine Schätze zu hüten.

 

Für mich ist diese Erkenntnis auch die Botschaft des Trinitatisfestes ist, das wir heute feiern – das Fest der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Es fordert uns auf, sich selbst zu fragen: Wo ist mein Schatz – und was füllt mein Herz? Gott lädt uns ein, unseren Schatz nicht bei dem zu suchen, was die Welt uns bietet, sondern bei dem, was schon vor uns da war und was auch noch nach uns da sein wird: Die Liebe des Vaters, der uns so wunderbar und wertvoll geschaffen hat, wie wir sind. Und die Nähe seines  Sohnes, Jesus Christus, der uns gesagt und gezeigt hat, wie ein gutes und glückliches Leben gelingen kann. Und die Kraft des Heiligen Geistes, der immer dann weht und braust und die Herzen der Menschen erfüllt, wenn sie in Jesu Namen zusammenkommen. So wie heute, jetzt und hier. Hier sind wir eine Gemeinde, die jeden von uns trägt, tröstet und lebendig macht. Und das ist ein ganz großer Schatz.

 

“Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz”: der Schatz, von dem Jesus spricht, das sind nicht große Worte oder fromme Höhenflüge. Es ist der Mensch neben mir in der Kirchenbank. Es ist der Mensch, der mit mir singt, glaubt und manchmal auch schwere Zeiten durchsteht. Eine Gottesdienstgemeinde ist kein glänzender Tempel – aber sie ist echt und sie ist wertvoll - weil Gott mitten unter uns ist. Nicht als abstrakte Idee, sondern als gelebte Gemeinschaft.

Und weil wir diesen Schatz manchmal besser schmecken als erklären können, möchte ich meinen Schatz nun mit Ihnen teilen. In der Schatzkiste ist Schokolade, aber es gibt auch Karten und Lesezeichen. Nehmen Sie sich gerne eine Sache, die Ihnen heute gut tut und nehmen Sie es mit nach Hause – und zwar als Zeichen, dass der Schatz da ist, mitten unter uns. Und sein Name ist Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.