Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes predigen, nämlich über Gemeinde und Gemeinschaft, über Mitarbeit und Miteinander. Aber dann habe ich am 21. November die „Heute-Show“ gesehen. Und da wusste ich: Heute muss es um Weihnachten gehen, auch wenn es erst der erste Advent ist. Gerade weil heute erst der erste Advent ist und noch genügend Zeit bleibt bis Weihnachten.
Für diejenigen, die die „Heute-Show“ nicht kennen: „Die Heute-Show“ ist ein Satire-Sendung des ZDF, die die Nachrichtenlage kommentiert – in der Regel humorvoll, bisweilen aber auch sehr bissig. Die „Heute-Show“ ist eine Art Wochenrückblick, die auf das politische Geschehen ebenso wie auf gesellschaftliche Entwicklungen schaut – hier bei uns und anderswo in der Welt. Hin und wieder bekommen auch die Kirchen ihr Fett weg, wobei eher die katholische Kirche im Fokus der Kritik steht. Die evangelische Kirche wird demgegenüber meistens ignoriert oder mitleidig belächelt. Manchmal frage ich mich allerdings, ob das besser ist.
In der „Heute-Show“ am 21. November wurde nun verkündet, dass Weihnachten in Gefahr sei. Weil auch bei uns in Deutschland die Lebensmittelinflation voll zuschlage. Zwar läge die allgemeine Inflationsrate nur noch bei 2,3%, aber manche Preise gingen nach wie vor durch die Decke. Z.B. die Preise für Schokolade und damit auch die Preise für Schokoladenweihnachtsmänner. Mit anderen Worten. Wir können uns Weihnachten nicht mehr leisten. Weihnachten ist schlichtweg zu teuer geworden. Der Beitrag mündete schließlich in eine Umdichtung des bekannten Weihnachtsliedes „Feliz Navidad“ – zu Deutsch: Frohe Weihnachten“. Diese Umdichtung trug den Titel: „Findet diesmal nicht statt.“
Dieser Beitrag hat mich einerseits amüsiert und andererseits sehr traurig gemacht. Er hat mich amüsiert, weil ich dachte: So einfach ist Weihnachten nicht totzukriegen. Da muss schon mehr kommen als ein paar überteuerte Schokoladenweihnachtsmänner. Zugleich hat mich der Beitrag sehr traurig gemacht, weil ich dachte: Die Schlussfolgerung „Weihnachten findet diesmal nicht statt“ ist in gewisser Weise richtig. Leider. Denn für viele Menschen sieht Weihnachten genauso aus wie ein Schokoladenweihnachtsmann.
Ein Schokoladenweihnachtsmann hat eine wunderschöne Verpackung. Sie ist bunt. Sie glitzert. Der Schokoladenweihnachtsmann lächelt mich an und bisweilen hat er sogar ein Glöckchen dabei. Innendrin ist der Schokoladenweihnachtsmann aber ganz und gar hohl. Genauso sieht Weihnachten bei vielen Menschen aus. Weihnachten ist bei ihnen wunderschön verpackt: Es gibt viele tolle und teure Geschenke und ein wahres Festessen. Das Haus, der Garten, die Fenster und der Weihnachtsbaum sind mit Lichterketten, Kugeln und Figuren reich geschmückt und man selbst trägt erlesene Festtagskleidung. Aber innendrin ist das Weihnachtsfest vieler Menschen ganz und gar hohl. Es hat keinen Inhalt. Und wenn dann auch die Verpackung nicht mehr möglich ist, weil kein Geld mehr da ist für Geschenke, Festessen, Festkleidung und Dekoration, dann bleibt nichts mehr übrig von Weihnachten. Und dann kann man tatsächlich zu dem Schluss kommen: „Weihnachten findet diesmal nicht statt.“
Man kann natürlich auch zu einem anderen Schluss kommen. Man kann auch sagen: Wenn wir uns die Verpackung von Weihnachten nicht mehr leisten können, wenn wir kein Geld mehr haben für Schokoladenweihnachtsmänner und Co., dann verzichten wir doch einfach darauf und gönnen wir uns nur den Inhalt. Dann konzentrieren wir uns doch nur auf den Inhalt und entdecken ihn wieder ganz neu für uns. Der Inhalt ist ja da – nach wie vor, seit nunmehr zweitausend Jahren. Und er ist auch nicht der Inflation unterworfen. Den Inhalt von Weihnachten gibt es sogar umsonst. Gratis.
Und was ist der Inhalt von Weihnachten? Im 1. Johannesbrief heißt es: „Gott ist die Liebe.“ Wenn Gott an Weihnachten in unsere Welt hineingeboren ist, wenn Gott an Weihnachten Mensch geworden ist, dann bedeutet das: An Weihnachten ist die Liebe in die Welt hineingeboren. Gottes Liebe. Und seither ist diese Liebe da – mitten in unserer Welt. Egal, wie diese Welt sein oder werden mag, Gottes Liebe ist auch da. Seit jenem ersten Weihnachten vor zweitausend Jahren ist sie aus unserer Welt nicht mehr wegzubekommen.
Ihren sichtbaren Ausdruck findet diese Liebe Gottes im Licht. An Weihnachten stellt Gott die Welt in das Licht seiner Liebe – die Welt und mein ganz persönliches Leben. Und das Licht der Liebe Gottes, dieses Licht von Weihnachten ist kein kaltes, grelles Licht, das mich mit meinen Fehlern und Schwächen unbarmherzig bloßstellt. Sondern das Licht von Weihnachten ist ein mildes und sanftes Leuchten. Es ist ein Licht, das mich anzieht. Es ist ein Licht, in dessen Nähe ich mich wohl fühle. Es ist ein Licht, das mich wärmt. In seinem Schein kann ich zur Ruhe, kann ich zu mir kommen, kann ich ausruhen. Im Licht von Weihnachten, im Licht der Liebe Gottes nehme ich mich anders wahr: angenommen, wertgeschätzt, einfach schön.
Im Licht der Liebe Gottes sehen aber auch die Menschen um mich herum anders aus. Ich entdecke neue, schöne Seiten an ihnen. Und ich kann über altbekannte, weniger schöne Seiten hinwegsehen. Neue Gemeinschaft ist möglich. Gott selbst hat das gezeigt. Er ist Mensch geworden, um Gemeinschaft mit uns Menschen zu haben. Um uns nahe sein zu können. Dafür war ihm kein Weg zu weit. Dafür ist er vom Himmel auf die Erde gekommen. Zwischen Menschen können manchmal zwar auch Welten liegen, bisweilen braucht es aber nur einen kleinen Schritt, nur einen ersten kleinen Schritt, um Gemeinschaft wieder oder ganz neu zu ermöglichen.
Wenn wir uns die Verpackung von Weihnachten nicht mehr leisten können, wenn wir kein Geld mehr haben für Schokoladenweihnachtsmänner und Co., dann verzichten wir doch einfach darauf und gönnen wir uns nur den Inhalt von Weihnachten. Stellen wir uns hinein in das Licht der Liebe Gottes. Lassen wir uns von diesem Licht selber anstrahlen und lassen wir es durch uns hindurchstrahlen – mitten hinein in unsere Welt. Und fangen wir gleich heute damit an. Ich bin mir sicher: Es könnte eine andere Adventszeit, es könnte ein anderes Weihnachtsfest werden.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland und Herrn. Amen.