Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag 2024

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I.

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

„dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit.“

Vor 340 Jahren brachte Kaspar Friedrich Nachtenhöfer die Weihnachtsbotschaft zu Papier, als er das Lied dichtete, das heute im Gesangbuch die Nummer 40 trägt und das wir soeben gesungen haben.

Unser Lieddichter Kaspar Friedrich Nachtenhöfer war im 17. Jahrhundert der Pfarrer von Coburg. Er hat immer gerne gedichtet und Texte verfasst - nur in der Liebe hatte er kein Glück: Drei seiner vier Ehefrauen starben früh. Er selbst verstarb im Alter von 61 Jahren in Coburg – ein Jahr, nachdem er unser Weihnachtslied gedichtet hatte.

Rund 60 Jahre später gab ein Organist mit dem Namen Johann Balthasar Reimann diesem Liedtext eine passende Melodie – doch leider ist diese heute zunehmend unbekannt. Deshalb singen wir das Lied auf die uns bekanntere Melodie des Liedes „O dass ich tausend Zungen hätte“, die etwa zeitgleich entstand.

So viel vorweg zu dem Lied, um das sich unsere heutige Predigt drehen wird und das für mich an diesem Weihnachtsfest zu einer wunderbaren Neuentdeckung geworden ist. Die erste Strophe kann man sich so richtig auf der Zunge zergehen lassen:

„Dies ist die Nacht, da mir erschienen

des großen Gottes Freundlichkeit.

Das Kind, dem alle Engel dienen,

bringt Licht in meine Dunkelheit,

und dieses Welt- und Himmelslicht

weicht hunderttausend Sonnen nicht.“

Das ist die Weihnachtsbotschaft in einer zuckersüßen und märchenhaften Form.

Das ist die ursprüngliche Weihnachtsbotschaft, sollte ich lieber sagen. Denn viele Botschaften erreichen uns in der Weihnachtszeit.

Da sind die bunten Botschaften der Werbung: Wenn du dies und jenes jetzt kaufst oder tust, dann wird dein Weihnachten erst richtig schön.

Da sind die dunklen Botschaften des Schreckens: In diesem Jahr der traurige Tod von unschuldigen Weihnachtsmarktbesuchern in Magdeburg.

Da sind die alten Botschaften, die aus unserer Erinnerung aufsteigen: Zu Weihnachten gehört doch schon immer… oder zu Weihnachten gab es doch immer schon…

Und zwischen diesen ganzen Botschaften stehen wir, versuchen, sie zu hören, ihnen nachzugehen. Aber welche Botschaft ist nun die wichtigste? Welche hat Vorrang?

II.

Viele Menschen wirken ganz erschöpft, wenn es endlich der 24., 25., 26. Dezember geworden ist. Es gab so viel zu tun, zu planen, vorzubereiten. Manche sehnen sich dann vor dem Fest schon richtig danach, dass es endlich vorbei ist. „Bald ist es endlich rum!“

Eigentlich schade.

Eine ganz andere Botschaft höre ich, wenn ich das Lied mit der Nummer 40 singe, vor allem die zweite Strophe:

„Lass dich erleuchten, meine Seele,

versäume nicht den Gnadenschein;

der Glanz in dieser kleinen Höhle

streckt sich in alle Welt hinein;

er treibet weg der Höllen Macht,

der Sünden und des Kreuzes Macht.“

Herr Nachtenhöfer, der Pfarrer aus Coburg, fordert uns auf, auf die Krippe zu schauen, auf das Licht von Bethlehem, auf das Leuchten der Engel, auf das Lachen der Hirten, auf das Staunen der drei heiligen Könige. Der Messias ist uns geboren, der Sohn Gottes, der uns gezeigt hat, wie wir leben können. Das Licht der Welt kam in unsere Nacht.

Wir singen die dritte Strophe.

EG 40,3

III.

„Wenn Sonne, Mond und Sterne vergehen,

wird dieses Licht mit seinem Schein

dein Himmel und dein Alles sein.“

Es geht an Weihnachten um Jesus Christus. Wir feiern seine Geburt im Stall, aber wir feiern auch sein ganzes Leben, sein Dasein, sein Wahrsein, sein Wirken und Tun und nicht zuletzt auch seinen Tod am Kreuz. Und aus Freude über dieses große Wunder gestalten wir ein Fest, das drei Tage lang dauert. Mit Baum, mit Geschenken, mit schönem Essen, mit unseren liebsten Menschen um uns herum. Der Messias ist uns geboren. Das Licht der Welt kam in unsere Nacht.

Wir singen die vierte Strophe.

EG 40,4

IV.

„Lass helle scheinen dein Glaubens- und dein Liebeslicht“, diese Botschaft gibt Pfarrer Nachtenhöfer uns mit auf den Weg. Nimm die Weihnachtsfreude mit, sagt er, und gib sie weiter. Es erinnert mich an die Hirten in der Weihnachtsgeschichte. Sie kamen von der Arbeit, hörten das „Fürchte dich nicht!“ der Engel, gingen zum Stall, fanden das Licht – und dann gingen sie verändert zurück. An ihre Arbeit. Verändert: voller Erlebnisse, voller Glück, voller Glaubenslicht, voller Liebeslicht. In ihrer Dunkelheit war es hell geworden. Das Licht der Welt kam in ihre Nacht.

„Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne,

bestrahle mich mit deiner Gunst;

dein Licht sei meine Weihnachtswonne

und lehre mich die Weihnachtskunst,

wie ich im Lichte wandern soll,

und sei des Weihnachtsglanzes voll.“

Die fünfte Strophe strahlt so viel Weihnachten aus, dass mir ganz warm ums Herz wird, wenn ich sie singe. Weihnachtssonne, Weihnachtswonne, Weihnachtskunst und Weihnachtsglanz. Zauberhaft schöne Worte. Und obwohl Pfarrer Nachtenhöfer hier viermal von Weihnachten spricht, tut er es nie so, wie ich es in der letzten Zeit so oft gehört habe. Er spricht nicht vom Supersonderweihnachtsangebot, nicht vom dunklen Weihnachten, nicht von vergangenen Zeiten, nicht genervt: „Hoffentlich ist es bald rum!“

Nein, er füllt das Wort Weihnachten nur positiv, wie es eigentlich fast nur Kinder können. Sie scheinen die Weihnachtskunst zu verstehen, die wir Erwachsenen im Laufe des Lebens irgendwie verlieren.

Aber nicht umsonst sagte Jesus einmal: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Und ich denke, dass das auch für Weihnachten gilt. Wenn wir die Weihnachtssonne nicht sehen können, die Weihnachtswonne verloren haben, die Weihnachtskunst nicht mehr verstehen und der Weihnachtsglanz uns nicht erfüllt, dann wird es dringend Zeit, sie uns zurückzuholen. Denn das ist die wahre, die ursprüngliche Botschaft von Weihnachten: Der Messias ist uns geboren, der Sohn Gottes, der uns gezeigt hat, wie wir leben können. Das Licht der Welt kam in unsere Nacht. Und das erkennen wir im Licht von Bethlehem, im Leuchten der Engel, im Lachen der Hirten, im Staunen der drei heiligen Könige und im Singen der schönen, alten Weihnachtslieder.

Amen.

Wir singen die fünfte Strophe.

EG 40,5