Predigt im Open Air-Festgottesdienst zur Jubiläumskonfirmation am Trätzhof
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Jubilarinnen und Jubilare, liebe Gemeinde!
Egal, ob sie heute das Fest Ihrer Goldenen, Diamantenen, Eisernen, Kronjuwelen- oder Gnadenkonfirmation feiern, egal, ob Sie hier oder an einem anderen Ort konfirmiert wurden: Eines gilt für Sie alle gleich. Und es gilt ebenso für alle, die heute kein Konfirmationsjubiläum feiern, und sogar für die, die gerade erst den Konfirmandenunterricht besuchen. Für alle gilt: Als Konfirmandin oder als Konfirmand musste bzw. muss man Dinge auswendig lernen. Der Unterschied liegt nur darin, wieviel man auswendig lernen musste bzw. muss.
Unsere diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden müssen das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und die 10 Gebote auswendig lernen. Darüber werden unsere heutigen Jubilarinnen und Jubilare vermutlich milde lächeln. Denn sie mussten neben Vaterunser, Glaubensbekenntnis und 10 Gebote aller Wahrscheinlichkeit nach auch Luthers Erklärungen aus dem Kleinen Katechismus zu diesen drei Hauptstücken des christlichen Glaubens auswendig lernen. Die Erklärungen zu Taufe und Abendmahl, den beiden übrigen Hauptstücken, evtl. auch. Und nebenbei noch unzählige Liedverse, Bibelstellen und mitunter ganze Psalmen. Liebe aktuelle Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihr seht: Schlimmer geht immer!
Lange Zeit habe ich nicht verstanden, warum Auswendiglernen eigentlich Auswendiglernen heißt. Ich hätte es vielmehr Inwendiglernen genannt. Denn es geht dabei doch nicht darum, irgendetwas aufsagen zu können. Sondern es geht darum, etwas zu verinnerlichen. Irgendwann wurde mir jedoch klar: Etwas nur zu verinnerlichen, etwas nur inwendig zu wissen, trifft die Sache auch nicht ganz. Denn das inwendig Gelernte muss auch wieder heraus können. Und genau das meint das Wort „auswendig lernen“ von seinem ursprünglichen Wortsinn her: Wenn ich etwas wirklich auswendig lerne, dann verinnerliche ich es so sehr, dass ich es jederzeit „nach außen wenden“, dass ich es jederzeit aus meinem Inneren herausholen kann.
Wie gesagt: Unsere diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden müssen das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und die 10 Gebote auswendig lernen. Und ich würde mir wünschen, dass sie diese Hauptstücke unseres Glaubens so verinnerlichen, dass sie sie auch nach ihrer Konfirmandenzeit noch aus ihrem Inneren herausholen können. Ich würde mir wünschen, dass sie dies auch mit den Worten des 23. Psalms tun könnten. Das ist mir sogar so wichtig, dass folgende Vereinbarung zwischen uns gilt: Wer den 23. Psalm auswendig lernt, bekommt dafür eine Gottesdienstunterschrift, muss also noch 24 statt 25 Gottesdienste besuchen.
Warum ist mir Psalm 23 so wichtig? Weil ich der Überzeugung bin, dass folgender Ausspruch stimmt. Er wird dem Philosophen Immanuel Kant zugeschrieben. Er soll gesagt haben: „Ich habe in der Bibel nichts Tröstlicheres gefunden als die vier Worte des 23. Psalms: DU BIST BEI MIR.“ Noch einmal: „Ich habe in der Bibel nichts Tröstlicheres gefunden als die vier Worte des 23. Psalms: DU BIST BEI MIR.“ Lassen Sie uns diese vier Worte einmal durchbuchstabieren.
„Du“: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass innerhalb des 23. Psalms die Anrede wechselt? Drei Verse lang wird von Gott, dem Herrn, in der dritten Person gesprochen: „Er ist mein Hirte. Er weidet mich auf einer grünen Aue. Er führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willens.“ Und dann wechselt der Psalmbeter plötzlich von der dritten Person in die direkte Anrede: „DU bist bei mir.“ Warum tut der Psalmbeter das? Warum wird er auf einmal persönlich? Er hätte ja auch sagen können: „Er ist bei mir.“ Doch das tut der Psalmbeter nicht. Aus gutem Grund. Denn nun geht es ins „finstere Tal“: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir.“ Und wenn es um uns Menschen herum dunkel wird, wenn wir in unserem Leben durch finstere Täler gehen müssen – durch Täler der Einsamkeit, der Traurigkeit, des Schmerzes, der Krankheit und des Todes, dann brauchen wir ein DU. Dann brauchen wir einerseits einen Menschen, der uns liebt, und dann brauchen wir anderseits auch Gott.
Dass wir auch Gott brauchen und nicht nur einen Menschen, der uns liebt, hängt mit dem zweiten Wort zusammen: „BIST“. „Du BIST bei mir.“ Das Wort „BIST“ steht für Gegenwart: für „jetzt“, für „genau in diesem Moment“, für „hier und heute“. Wir Menschen können zwar auch füreinander gegenwärtig sein, wir können auch füreinander „da“ sein. Aber wir können eben auch zu früh oder zu spät kommen. Wir können in dem einen entscheidenden Moment oder in der langen dunklen Nacht, in der ein anderer uns bräuchte, nicht verfügbar sein. Wir sind zudem endlich. vergänglich und können daher eines Tages nicht mehr für einander da sein. Und nicht zuletzt: Wir Menschen können „da“ und doch nicht „da“ sein, wir können einem Menschen gegenüber sitzen und doch nicht gegenwärtig sein. Weil wir mit unseren Gedanken ganz woanders sind. Weil wir unter Zeitdruck stehen. Weil wir mit unseren eigenen Sorgen und Problemen beschäftigt sind. Weil wir die Situation des anderen einfach nicht aushalten können und daher eigentlich nur weg wollen. Ganz anders Gott. Er ist da. Er ist immer und wirklich gegenwärtig. Nichts lenkt ihn hier und jetzt von mir ab. An keinem Ort wäre Gott in diesem Moment lieber als an meiner Seite.
Das dritte Wort ist „BEI“: „Du bist BEI mir.“ Die deutsche Präposition „bei“ hat drei Kernbedeutungen: Nähe, Zugehörigkeit und Begleitung. Wenn Gott BEI mir ist, dann ist er mir wirklich nahe. Jemand der 100 km von mir entfernt ist, kann nicht von sich behaupten, bei mir zu sein. Wenn Gott BEI mir ist, gehört er auch zu mir. Wenn ich bei der Firma XY arbeite, dann gehöre ich in gewisser Hinsicht zu dieser Firma. Es besteht eine gewisse Verbindung zwischen ihr und mir. Und schließlich: Wenn Gott BEI mir ist, dann begleitet er mich. Jemand kann nicht bei mir sein, ohne in diesem Moment mit mir unterwegs zu sein, ohne in diesem Moment mein Leben mit mir zu teilen.
Mit dem vierten und letzten Wort wird es richtig persönlich: „Du bist bei MIR“, sagt der Psalmbeter. Gott ist natürlich bei uns allen. Aber er ist eben auch bei MIR – bei MIR ganz persönlich. Bei MIR in meiner ganz konkreten Situation. Bei MIR – so wie ich bin. So, wie ich vielleicht auch geworden bin in all den Jahren. Bei MIR – mit allem, was ich bin und habe oder was ich eben auch nicht bin und nicht habe.
Dass ich diese vier Worte „DU BIST BEI MIRr“ wirklich sagen darf, dass ich diese vier Worte tatsächlich für mich in Anspruch nehmen darf, dass ich Gottes Dabeisein in meinem Leben erwarten und Gott auf diese vier Worte regelrecht festnageln darf – dafür steht übrigens nicht erst die Konfirmation, sondern dafür steht schon die Taufe. Denn in der Taufe sagt Gott einem Menschen ganz persönlich zu: „Ich bin bei dir.“ Diese Zusage Gottes ist uns mit dem Taufwasser unter die Haut gegangen. Und was uns „unter die Haut“ geht, das wird ein Teil von uns. Das bleibt nicht außen vor, das bleibt keine Beobachtung, sondern das verwandelt sich in Empfindung.
„Ich habe in der Bibel nichts Tröstlicheres gefunden als die vier Worte des 23. Psalms: DU BIST BEI MIR.“ So soll Immanuel Kant gesagt haben. Vielleicht können Sie sich seinen Worten anschließen. Weil sie in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder gespürt, immer wieder empfunden haben: Ja, so ist das: DU BIST BEI MIR, Gott. Das bedeutet nicht: In den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten war alles schön und leicht. Es bedeutet auch nicht: In den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten ist mir alles gelungen und hat sich alles erfüllt, was ich mir erhofft und gewünscht habe. Sondern es bedeutet: In allem, was in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten gewesen ist, war ich niemals allein.
Uns so wird es auch bleiben. Auch in allem, was kommt, werden Sie nicht allein sein. Für manche Jubilarinnen und Jubilare ist das, was kommt, der Ruhestand – sei er lange herbeigesehnt oder eher gefürchtet. Für andere ist der Ruhestand schon längere Zeit da. Sie fragen sich vielleicht: Was kommt jetzt – noch? Doch egal, was kommt: Sie alle können sagen und dürfen darauf vertrauen: „DU BIST BEI MIR, Gott.“
Und vielleicht ist der heutige Tag – egal, ob er für Sie ein Jubiläumstag oder ein „ganz normaler“ Sonntag ist – der richtige Tag für einen Vorsatz. Auch für euch, liebe aktuelle Konfirmandinnen und Konfirmanden. Der richtige Tag für den Vorsatz, den 23. Psalm wieder oder ganz neu auswendig zu lernen. Und ich meine: wirklich auswendig zu lernen. Ihn also so zu verinnerlichen, dass Sie ihn jederzeit „nach außen wenden“, dass Sie ihn jederzeit aus Ihrem Inneren herausholen können.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland und Herrn. Amen.
Predigt im Abendgottesdienst in der Versöhnungskirche
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
heute Morgen haben wir auf der Kirchwiese am Trätzhof unsere diesjährige Jubiläumskonfirmation gefeiert. Es ist schon erstaunlich: Egal, ob man seine Silberne, Goldene, Diamantene, Eiserne, Kronjuwelen- oder Gnadenkonfirmation feiert oder ob man gerade erst den Konfirmandenunterricht besucht – eines gilt für alle gleich: Als Konfirmandin oder als Konfirmand musste bzw. muss man Dinge auswendig lernen. Der Unterschied liegt nur darin, wieviel man auswendig lernen musste bzw. muss.
Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden müssen das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und die 10 Gebote auswendig lernen. Darüber konnten unsere Jubilarinnen und Jubilare nur milde lächeln. Denn sie mussten neben Vaterunser, Glaubensbekenntnis und 10 Gebote auch Luthers Erklärungen aus dem Kleinen Katechismus zu diesen drei Hauptstücken des christlichen Glaubens auswendig lernen. Die Erklärungen zu Taufe und Abendmahl, den beiden übrigen Hauptstücken, selbstverständlich auch. Und nebenbei noch unzählige Liedverse, Bibelstellen und mitunter ganze Psalmen. Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihr seht also: Schlimmer geht immer!
Lange Zeit habe ich nicht verstanden, warum Auswendiglernen eigentlich Auswendiglernen heißt. Ich hätte es vielmehr Inwendiglernen genannt. Denn es geht dabei doch nicht darum, irgendetwas aufsagen zu können. Sondern es geht darum, etwas zu verinnerlichen. Irgendwann wurde mir jedoch klar: Etwas nur zu verinnerlichen, etwas nur inwendig zu wissen, trifft die Sache auch nicht ganz. Denn das inwendig Gelernte muss auch wieder heraus können. Und genau das meint das Wort „auswendig lernen“ von seinem ursprünglichen Wortsinn her: Wenn ich etwas wirklich auswendig lerne, dann verinnerliche ich es so sehr, dass ich es jederzeit „nach außen wenden“, dass ich es jederzeit aus meinem Inneren herausholen kann.
Wie gesagt: Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden müssen das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und die 10 Gebote auswendig lernen. Und ich würde mir wünschen, dass sie diese Hauptstücke unseres Glaubens so verinnerlichen, dass sie sie auch nach ihrer Konfirmandenzeit noch aus ihrem Inneren herausholen können. Ich würde mir wünschen, dass sie dies auch mit den Worten des 23. Psalms tun könnten. Das ist mir sogar so wichtig, dass folgende Vereinbarung zwischen uns gilt: Wer den 23. Psalm auswendig lernt, bekommt dafür eine Gottesdienstunterschrift, muss also nur noch 24 statt 25 Gottesdienste besuchen.
Warum ist mir Psalm 23 so wichtig? Weil ich der Überzeugung bin, dass folgender Ausspruch stimmt. Er wird dem Philosophen Immanuel Kant zugeschrieben. Er soll gesagt haben: „Ich habe in der Bibel nichts Tröstlicheres gefunden als die vier Worte des 23. Psalms: DU BIST BEI MIR.“ Noch einmal: „Ich habe in der Bibel nichts Tröstlicheres gefunden als die vier Worte des 23. Psalms: DU BIST BEI MIR.“ Für mich sind diese vier Worte „Brot des Lebens“. Genauer gesagt: Sie sind „Trostbrot des Lebens“. Wohlgemerkt: „Trostbrot“ mit „r“ und nicht „Toastbrot“ mit „oa“. Lassen Sie uns diese vier Worte einmal durchbuchstabieren.
„Du“: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass innerhalb des 23. Psalms die Anrede wechselt? Drei Verse lang wird von Gott, dem Herrn, in der dritten Person gesprochen: „Er ist mein Hirte. Er weidet mich auf einer grünen Aue. Er führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willens.“ Und dann wechselt der Psalmbeter plötzlich von der dritten Person in die direkte Anrede: „DU bist bei mir.“ Warum tut der Psalmbeter das? Warum wird er auf einmal persönlich? Er hätte ja auch sagen können: „Er ist bei mir.“ Doch das tut der Psalmbeter nicht. Aus gutem Grund. Denn nun geht es ins „finstere Tal“: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir.“ Und wenn es um uns Menschen herum dunkel wird, wenn wir in unserem Leben durch finstere Täler gehen müssen – durch Täler der Einsamkeit, der Traurigkeit, des Schmerzes, der Krankheit und des Todes, dann brauchen wir ein DU. Dann brauchen wir einerseits einen Menschen, der uns liebt, und dann brauchen wir anderseits auch Gott.
Dass wir auch Gott brauchen und nicht nur einen Menschen, der uns liebt, hängt mit dem zweiten Wort zusammen: „BIST“. „Du BIST bei mir.“ Das Wort „BIST“ steht für Gegenwart: für „jetzt“, für „genau in diesem Moment“, für „hier und heute“. Wir Menschen können zwar auch füreinander gegenwärtig sein, wir können auch füreinander „da“ sein. Aber wir können eben auch zu früh oder zu spät kommen. Wir können in dem einen entscheidenden Moment oder in der langen dunklen Nacht, in der ein anderer uns bräuchte, nicht verfügbar sein. Wir sind zudem endlich, vergänglich und können daher eines Tages nicht mehr für einander da sein. Und nicht zuletzt: Wir Menschen können „da“ und doch nicht „da“ sein, wir können einem Menschen gegenüber sitzen und doch nicht gegenwärtig sein. Weil wir mit unseren Gedanken ganz woanders sind. Weil wir unter Zeitdruck stehen. Weil wir mit unseren eigenen Sorgen und Problemen beschäftigt sind. Weil wir die Situation des anderen einfach nicht aushalten können und daher eigentlich nur weg wollen. Ganz anders Gott. Er ist da. Er ist immer und wirklich gegenwärtig. Nichts lenkt ihn hier und jetzt von mir ab. An keinem Ort wäre Gott in diesem Moment lieber als an meiner Seite.
Das dritte Wort ist „BEI“: „Du bist BEI mir.“ Die deutsche Präposition „bei“ hat drei Kernbedeutungen: Nähe, Zugehörigkeit und Begleitung. Wenn Gott BEI mir ist, dann ist er mir wirklich nahe. Jemand der 100 km von mir entfernt ist, kann nicht von sich behaupten, bei mir zu sein. Wenn Gott BEI mir ist, gehört er auch zu mir. Wenn ich bei der Firma XY arbeite, dann gehöre ich in gewisser Hinsicht zu dieser Firma. Es besteht eine gewisse Verbindung zwischen ihr und mir. Und schließlich: Wenn Gott BEI mir ist, dann begleitet er mich. Jemand kann nicht bei mir sein, ohne in diesem Moment mit mir unterwegs zu sein, ohne in diesem Moment mein Leben mit mir zu teilen.
Mit dem vierten und letzten Wort wird es richtig persönlich: „Du bist bei MIR“, sagt der Psalmbeter. Gott ist natürlich bei uns allen. Aber er ist eben auch bei MIR – bei MIR ganz persönlich. Bei MIR in meiner ganz konkreten Situation. Bei MIR – so wie ich bin. So, wie ich vielleicht auch geworden bin in all den Jahren. Bei MIR – mit allem, was ich bin und habe oder was ich eben auch nicht bin und nicht habe.
Dass ich diese vier Worte „DU BIST BEI MIRr“ wirklich sagen darf, dass ich diese vier Worte tatsächlich für mich in Anspruch nehmen darf, dass ich Gottes Dabeisein in meinem Leben erwarten und Gott auf diese vier Worte regelrecht festnageln darf – dafür steht übrigens nicht erst die Konfirmation, sondern dafür steht schon die Taufe. Denn in der Taufe sagt Gott einem Menschen ganz persönlich zu: „Ich bin bei dir.“ Diese Zusage Gottes ist uns mit dem Taufwasser unter die Haut gegangen. Und was uns „unter die Haut“ geht, das wird ein Teil von uns. Das bleibt nicht außen vor, das bleibt keine Beobachtung, sondern das verwandelt sich in Empfindung.
„Ich habe in der Bibel nichts Tröstlicheres gefunden als die vier Worte des 23. Psalms: DU BIST BEI MIR.“ So soll Immanuel Kant gesagt haben. Vielleicht können Sie sich seinen Worten anschließen. Vielleicht sind auch für Sie diese vier Worte „Brot bzw. Trostbrot des Lebens“. Weil sie in Ihrem Leben immer wieder gespürt, immer wieder empfunden haben: Ja, so ist das: DU BIST BEI MIR, Gott. Das bedeutet nicht: In meinem Leben war immer alles schön und leicht. Es bedeutet auch nicht: In meinem Leben ist mir bislang alles gelungen und hat sich alles erfüllt, was ich mir erhofft und gewünscht habe. Sondern es bedeutet: In allem, was in meinem Leben bisher gewesen ist, war ich niemals allein.
Uns so wird es auch bleiben. Auch in allem, was kommt, werden wir nicht allein sein. Denn egal, was kommt: Wir alle können sagen und dürfen darauf vertrauen: „DU BIST BEI MIR, Gott.“
Und vielleicht ist der heutige Abend der richtige Zeitpunkt für einen Vorsatz, nämlich für den Vorsatz, den 23. Psalm wieder oder ganz neu auswendig zu lernen. Und ich meine: wirklich auswendig zu lernen. Ihn also so zu verinnerlichen, dass Sie ihn jederzeit „nach außen wenden“, dass Sie ihn jederzeit aus Ihrem Inneren herausholen können.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland und Herrn. Amen.