Predigt am 12. Juli 2026

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Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Brief des Paulus an die Galater im 3. Kapitel:

26 Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.

27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.

28 Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

29 Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Nachkommen und nach der Verheißung Erben.

Herr, öffne unsere Herzen, dass wir dein Wort verstehen und aus ihm leben lernen. Amen. 

Liebe Gemeinde, 

Sie kennen das vielleicht: Man sieht im Schaufenster ein Kleid, eine Bluse, ein Hemd oder eine Hose und denkt: „Sieht das toll aus! Das muss ich unbedingt probieren!“ Und dann probiert man es. Man schaut erwartungsvoll in den Spiegel, stellt jedoch erschrocken fest: „Das sieht ja schrecklich aus!“ Die Farbe macht mich noch blasser, als ich ohnehin schon bin, und der Schnitt setzt die – eingebildeten oder tatsächlich vorhandenen – Problemzonen großzügig in Szene. Es gibt nun einmal Kleidung, die unvorteilhaft ist für einen selbst. Oder wie der Modedesigner Guido Maria Kretschmer zu sagen pflegt: Es gibt Kleidung, die nichts für einen tut. Und daneben gibt es solche Kleidung, die das Beste aus einem herausholt. 

Ähnlich wie mit der Kleidung verhält es sich auch mit Verhaltensweisen. Da gibt es ebenfalls solche und solche. Es gibt Verhaltensweisen, die einen regelrecht strahlen lassen, die viel für einen selbst und für andere tun. Dazu gehören nach der Bibel: Liebe, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte und Sanftmut. Daneben gibt es solche Verhaltensweisen, die einen nicht gut aussehen lassen, die einem – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht gut zu Gesicht stehen. Dazu gehören: Zorn, Neid, Lästerung, Lüge, Streit und Hass. Die gute Nachricht ist: Wir müssen nicht schlecht aussehen. Denn: Wir sind getauft. 

Im Predigttext heißt es: „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“ Mit anderen Worten: Bei der Taufe haben wir eine neue Garderobe bekommen – und zwar eine, die uns gut aussehen lässt. Leider greifen wir beim Ankleiden oder Umziehen häufiger daneben. Wir sind auch nach unserer Taufe nicht immer nur lieb und friedlich, freundlich und geduldig, gütig und sanftmütig. Sondern es kommt immer wieder vor, dass wir zornig oder neidisch sind. Dass uns Lügen und Lästereien allzu leicht über die Lippen kommen. Dass wir streiten und manchmal auch hassen. 

Mit der Taufe haben wir jedoch nicht nur eine neue Garderobe bekommen, sondern auch eine Portion Mut und Kraft –  Mut und Kraft, um unseren Verhaltens-Kleiderschrank immer wieder auf- und auszuräumen. Unseren Verhaltens-Kleiderschrank immer wieder nach unvorteilhaften Kleidungsstücken zu durchforsten und uns von ihnen zu trennen. Das hängt mit dem zusammen, was Gott uns in der Taufe zugesagt hat. Was Gott jedem und jeder von uns ganz persönlich zugesagt hat, nämlich: „Ich habe dich geschaffen – so, wie du bist. Und das bedeutet: Ich liebe dich – so, wie du bist. Du bist wer, nämlich mein geliebtes Kind. Und weil das so ist, deshalb brauchst du nicht neidisch oder zornig auf die zu schauen, denen es allem Anschein nach besser geht als dir. Die mehr haben – mehr an Geld und Macht, an Beziehungen und Freundschaften. Oder die mehr mitbekommen haben – an Fähigkeiten und Begabungen, an Gesundheit, Schönheit und Leistungskraft. Trenn dich doch von dem Kleid „Neid“ und von der Hose „Zorn“. Gönn den anderen ihr Glück und genieße dein eigenes! Entdecke und nutze deine eigenen Gaben und Fähigkeiten und freu dich von Herzen über die der anderen!“ 

„Ich habe dich geschaffen – so, wie du bist. Ich liebe dich – so, wie du bist. Du bist wer: mein geliebtes Kind“, sagt Gott zu jedem Menschen in der Taufe. Gott sagt in der Taufe auch – und er sagt es immer wieder: „Ich vergebe dir. Alles, was zwischen uns stand, habe ich dir vergeben. Und das, was täglich hinzukommt – die kleinen und größeren Fehler und Versäumnisse, dein Versagen und Verzagen, die unüberlegten Worte und das Schweigen – will ich dir auch gern vergeben. Denn du sollst mit geradem Rücken und mit erhobenem Haupt durchs Leben gehen. Und weil ich dir vergebe, kannst du auch anderen vergeben. Ich traue dir das zu. Trenn dich doch von den Schuhen, mit denen du voller Bitterkeit, Wut und Hass durchs Leben läufst. Trag dem anderen seine Schuld nicht immer weiter nach – du mühst dich letztlich selbst damit ab, erschöpfst deine Kraft und nimmst dir die Luft zum Atmen.“ 

„Ich habe dich geschaffen. Ich liebe dich. Ich vergebe dir“, sagt Gott jedem Menschen in der Taufe zu. Und er fügt hinzu: „Ich meine das ganz ehrlich. Ich stehe zu meinem Wort. Du kannst dich auf mich verlassen. Und weil das so ist, sei du auch ehrlich mit den Menschen um dich herum. Erzähle keine Lügen über sie, auch keine Halbwahrheiten. Trenn dich von diesen Dingen. Sie stehen dir nicht. Sie passen nicht zu dir. Sie passen nicht zu meinem geliebten Kind.“ 

Wir können unseren Verhaltens-Kleiderschrank jederzeit auf- und ausräumen. Wir können uns jederzeit umziehen, wenn wir bemerken, dass wir zu einem unvorteilhaften Verhalten gegriffen haben – zu etwas, das uns nicht steht, das eigentlich gar nicht zu uns passt. Wir sind nicht auf unsere Verhaltens-Garderobe festgelegt. Das Problem ist nur: Wir bemerken manchmal gar nicht, was wir da gerade tragen. Wir bemerken manchmal nicht, dass wir zu etwas gegriffen haben, das uns schlecht aussehen lässt. Dass wir ein Verhalten an den Tag legen, das uns nicht gut zu Gesicht steht und mit dem wir selbst auch nicht glücklich sind, mit dem wir uns eigentlich gar nicht wohlfühlen. Nun könnte man meinen: Dafür gibt es ja Spiegel – für Kleidung gibt es den Spiegel am Schlafzimmerschrank und für Verhaltensweisen gibt es die Bibel, Gottes Wort. Doch für uns selbst – für unser Aussehen ebenso wie für unser Verhalten – sind wir Menschen oftmals blind. Wir können oder wollen nicht immer wahrhaben, was wir im Spiegel sehen. Was wir im Spiegel unseres Schlafzimmerschrankes erkennen bzw. was Gott uns in seinem Wort über uns und unser Leben sagen will. Wir Menschen haben die erstaunliche Fähigkeit, uns selber etwas vorzumachen. 

Wir Menschen haben aber auch die erstaunliche Fähigkeit, bei anderen sehr klar zu sehen, was los ist. Daher mein Vorschlag: Helfen wir uns doch einfach gegenseitig. Seien wir Menschen, die einander helfen, gut auszusehen und sich wohlzufühlen in ihrer Haut. Seien wir Menschen, die einander behutsam und liebevoll, aber auch ehrlich und bestimmt zu verstehen geben: „Diese Verhaltensweise steht dir nicht. Sie passt nicht zu dir. Du brauchst auch gar nicht so zu sein. Du bist doch getauft. Du hast doch Christus angezogen. Und: Kleider machen Leute! Du bist wer. Du bist Gottes geliebtes Kind.“ 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland und Herrn. Amen.