Ansprache im Familiengottesdienst am 01.06.2025

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Liebe Gemeinde, 

dass Gott unsere Erde schön gemacht hat, das wird uns vermutlich zu keiner anderen Zeit des Jahres so bewusst wie in diesen Tagen. Alles grünt und blüht, summt und brummt. Vermutlich singen wir daher auch das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ so gern, eben weil es uns die Schönheit von Gottes Schöpfung regelrecht vor Augen malt: die Bäume in ihrer grünen Pracht, die Blumen in ihrer Buntheit, die hochbegabte Nachtigall, den schnellen Hirsch und das leichte Reh, die Bächlein, die sanft vor sich hin rauschen und die saftigen Wiesen mit Hirte und Schafen. Gott hat unsre Erde schön gemacht – diese Feststellung fällt uns in diesen Tagen wirklich nicht schwer. 

Gott hat aber nicht nur unsere Erde schön gemacht, sondern auch uns selbst – Sie und mich, euch, jeden einzelnen von uns. Diese Feststellung fällt jedoch vielen Menschen ungleich schwerer – egal zu welcher Jahreszeit. Oder stehen Sie morgens vor dem Spiegel und sagen fröhlich zu Ihrem Spiegelbild: „Gott hat dich schön gemacht!“? 

Ich denke, der Satz „Gott hat mich schön gemacht“ kommt den wenigsten Menschen leicht über die Lippen. Wir gehen eher kritisch mit uns selbst um – mit unserem Äußeren ebenso wie mit allem anderen: unseren Stärken und Fähigkeiten, unseren Schwächen und Unzulänglichkeiten, kurz: mit dem, was wir sind und haben. Wir tun uns sehr viel leichter damit zu sagen, was uns an uns selbst nicht schön erscheint. Es quält uns regelrecht, wenn wir den Anforderungen, die wir an uns selber stellen, nicht gerecht werden. Anderen gegenüber sind wir da oft sehr viel großzügiger. Wenn die beste Freundin das eine oder andere Kilo zugelegt hat oder wenn dem Ehemann ein Missgeschick passiert ist, dann tut das ihrer oder seiner Schönheit in unseren Augen keinen Abbruch. Und wenn das eigene Kind sich nicht als Wunderkind in Sachen Musik, Sport oder Schule herausstellt, dann ist es für seine Eltern noch genauso schön wie eh und je. 

Gott hat uns schön gemacht – Sie und mich, euch, jeden einzelnen von uns, und zwar unabhängig von unserem Äußeren, unabhängig von allem Können und Vermögen, unabhängig auch von unserem Alter und Wohlbefinden. Denn Gott hat uns einen Mund geschenkt, der lächeln und der sprechen kann. Der einem anderen Menschen zulächeln und ihm ein gutes Wort sagen kann. Gott hat uns ein Herz geschenkt, das lieben und das Mitgefühl empfinden kann, das die Not seiner Mitmenschen nicht unberührt lässt. Gott hat uns Hände geschenkt, die helfen können – die einen dies, die anderen das – und nicht zuletzt: die beten können. Und Gott hat uns Füße geschenkt – Füße, die den ersten Schritt machen, die aufeinander zu gehen können. Nicht zuletzt das ist es doch, was uns schön macht – Sie und mich, euch, jeden einzelnen von uns. 

Wenn Sie das nächste Mal denken: „Gott hat unsre Erde schön gemacht!“, weil alles um sie herum grünt und blüht, summt und brummt, oder wenn Sie das nächste Mal das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ singen, dann denken Sie doch auch daran: Gott hat Sie ebenfalls schön gemacht. Und dann lächeln Sie und schenken Sie dieses Lächeln an einen anderen Menschen weiter. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland und Herrn. Amen.